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Der Sherman
war kein spektakulärer Kampfwagen, sondern eher ein Brot und Butter-Tank;
nicht unbedingt zum Verlieben, schon eher zum Heiraten. Seine Durchschnitt-
lichkeit machte ihn vielseitig verwendbar, seine Zuverlässigkeit
sorgte für hohe Einsatzbereitschaft und die große Stückzahl
glich vorhandene Schwächen aus. Wo Tiger, Panther und Co. auf direktem
Wege nicht geschlagen werden konnten, wurden sie umfahren, getreu dem
Motto Viele Hunde sind des Hasen Tod. Ließ das Gelände
solche großräumigen Operationen nicht zu, kam in der Regel
die Hilfe postwendend aus der Luft und verschaffte den Shermans selbige.
Das vorliegende Modell ist ein M4 mit 105-Millimeter-Haubitze. Nur M4
mit dieser Bewaffnung wurden gegen Ende des Krieges mit dem fortschrittlicheren
HVSS-Laufwerk ausgeliefert, wodurch er in dieser Ausführung leicht
mit dem M4A3 verwechselt wird.
Leo ante portas
Wenn nun Tamiya mit dem Leopard 2A6 ein neues Kapitel im Funktionsmodellbau
aufschlägt, muss die Frage erlaubt sein, ob man sich mit dem altehrwürdigen
Sherman überhaupt noch befassen und sich diesen sogar noch ins
Haus holen sollte? Hat der gute alte Baukasten nicht endlich ausgedient?
Fairerweise dürfen wir die Frage so nicht stellen und in einem
Atemzuge Äpfel mit Birnen vergleichen. Es geht ja nicht nur darum,
dass etwas fährt, sondern auch darum, was da fährt. Den befriedenden
Charme der Nostalgie kann ein zeitgenössisches Gefährt nicht
bieten. Nicht zu vergessen, der Veteran reißt nur ein etwa halb
so großes Loch in des Modellbauers Kriegskasse. Dass
das alte Schlachtross demzufolge nur halb so viel Bau- und Fahrspaß
bietet, wäre aber eine etwas voreilige Schlussfolgerung.
... zum Dritten!
Auf diesen Ausruf erfolgt in einer Versteigerung der Zuschlag. In seiner
dritten Auflage präsentiert sich nun auch der Sherman und macht
uns den Zuschlag leichter. Der Baukasten hat in seiner Konzeption
zwar schon dreißig Jahre auf dem Buckel, doch die Überarbeitungen,
vor allem im mechanischen Bereich, bringen ihn wieder auf einen angemessenen
Standard. Mit den beiliegenden Zurüst- teilen kann er optisch so
aufgewertet werden, dass die eingeschränkte Detaillierung der betagten
Formteile (Wannenaufbau, Turm) weniger stark in Erscheinung tritt. Viele
Funktionsmodellbauer sind darüber gar nicht so unglücklich,
schließlich ersparen sie sich so nach ihren Ausfahrten
etliche Reparaturarbeiten mit Klebstoff und Lupe.
In Ketten gelegt
Die Kettenstränge sind von Hause aus fertig konfektioniert. Die
Kettenbolzen und die Endverbinder bestehen weiterhin (wie bei den alten
Ketten) aus Metall, nur die Kettenglieder und die Führungsnocken
sind aus Kunststoff. Auf der Außenseite ist die Kette mit der
des Pershings identisch, auf der Innenseite unterscheiden sich die Ketten
in ihrer Mitte: Breite Führungsnocken weist die Shermankette auf,
schlanke Führungszähne die Pershing-Kette. Nach dem Einbau
stehen die Ketten des Shermans unter starkem Zug, selbst wenn die Leiträder
sich in vorderster Position befinden. Stören Sie sich nicht daran,
dass die vordersten und hintersten Laufrollen von den straffen Ketten
etwas angehoben werden. Ersparen Sie sich auch, die Langlöcher
in der Wanne für die Leitradaufnahme nach vorn hin zu erweitern.
Das gibt sich, heißt die Lösung, denn die Kette
mit den Kunststoffgliedern reckt sich noch etwas. Wenn der Akku zum
dritten Mal geladen wird, ist die Kette eingelaufen und die anfänglich
vorhandene zu große Spannung kein Thema mehr.
Frisch von der Kantbank
Als saubere Blechnerarbeit stellt sich die Wanne aus Aluminiumblech
vor. Viermal abgekantet ergibt sich im Querschnitt ein auf dem Kopf
stehendes Hutprofil. Wir freuen uns über dessen Krempe,
bringt diese doch zusätzliche Steifigkeit, gleichzeitig schließt
sie den Aufbau über den Ketten nach unten hin ab. Die Rückwand
ist eine Verlängerung des Wannenbodens, der hierzu in zwei Stufen
aufgebogen wurde. Für die sechs Fahrwerksträger befinden sich
jeweils vier Gewindebohrungen in der Wannenseitenwand, dazu je Seite
fünf Bohrungen für die Stützrollenachsen. Der Wannenbug
ist ein Kunststoff-formteil, das mit der Wanne verschraubt wird. Seitlich
sind zwei Bleche anzuschrauben, welche die Lücken im Bugbereich
der Wannenseitenwände schließen.
Six-Packs
Sechs Fahrwerkträger aus Metalldruckguss stellen die Verbindung
zwischen der Wanne und den sechs Laufwerken her. Jedes Laufwerk besteht
aus zwei Doppellaufrädern, die einander gegenüberstehend an
Längslenkern geführt werden. Die Längslenker sind dreiecksförmig
ausgebildet, wobei die Eckpunkte und die Mitte der diagonal verlaufenden
Seite als Angelpunkte dienen. Ein Paar Kegelstumpffederattrappen, die
im Innern Spiralfedern beherbergen, stützen die Längslenker
gegeneinander ab. Im Betrieb wirkt diese Anordnung quasi wie eine Pendelrollenlagerung,
denn Tamiya hat wie so oft zu stramme Federn beilegt.
Wenn Sie keine weicheren Federn gleicher Dimension zur Auswahl haben,
nehmen Sie einfach aus den Kegelstumpffeder-Tandems jeweils eine Spiralfeder
heraus. Nun federt der Rollenwagen auch tatsächlich ein, wenn eine
Laufrolle ein Hindernis überrollt und hebt nicht mehr wie vorher
den ganzen Panzer um den halben Betrag der Hindernishöhe an.
Gut gerollt
Die Lagerung der zwölf Doppellaufrollen macht Laune. Keine Achsstummel
mehr, auf die elastische Kunst-stoffnaben aufgeschoben werden, welche
die Laufräder fixieren und lagern. Je Räderpaar übernehmen
nun zwei Sinterlager die Lagerung einer Metallwelle, auf deren Enden
die Laufräder aufgesteckt und festgeschraubt werden. Wer hier noch
etwas nachlegen will, der kann auf die optional erhältlichen Kugellager
zurückgreifen. Im Stockwerk darüber zeigen sich die Stützrollen
nicht weniger aufwändig gelagert. Da schlottert nichts, da taumelt
nichts, das Fahrwerk macht einen soliden Eindruck, wie für die
Ewigkeit gebaut.
Panzer marsch!
Nunmehr sind auch die Getriebe für den Sherman mit Kugellager versehen,
was für die Lebensdauer der hoch beanspruchten Antriebswellenlager
nur von Vorteil ist. Die Getriebe ähneln denen des Pershings, allerdings
befinden sich die Abtriebswellen beider Typen in verschiedenen Ebenen.
Große Stützweiten bei der Antriebswellenlagerung wirken beruhigend.
Auch wenn im Gegensatz zum Pershing keine Vorgelege nachgeschaltet
sind, besitzen die Getriebe nun eine Gesamtuntersetzung, die den Tank
in einem maßstäblichen Geschwindigkeitsbereich fahren lässt.
Tamiya wirbt mit realistischen Fahrmanövern, zum Beispiel auch
mit dem Drehen auf der Stelle. Da kann aber das Modell mehr als sein
großes Vorbild. Letzteres hatte ein Cletrac-Ausgleichsgetriebe
an Bord, das bei einseitig fest angezogener Lenkbremse die Drehzahl
des kurven-inneren Antriebsrades gegenüber dem kurvenäußeren
gerade mal halbierte. Entsprechend groß fiel der kleinste Wendekreis
mit etwa 20 Metern aus. Im freien Gelände war dies weniger von
Nachteil, in den winkeligen Innenstädten Europas aber um so mehr.
Und wenn zum Rückzug geblasen wurde, zuckelte der Sherman im hochunter-setzten
Rückwärtsgang nervenaufreibend langsam aus der Gefahrenzone.
Das Modell hingegen ist vorwärts wie rückwärts gleich
agil.
Ab Oberkante Keller
Das Wannenoberteil besteht aus einer einteiligen Kunststoffschale. Der
Deckel über dem Motorraum schließt nun nicht mehr bündig
mit dem Wannendach ab, sondern liegt quasi nur noch an den Ecken auf.
Die sich dazwischen offenbarenden Spalten sind kein Gießfehler,
sondern sie fungieren als Schalllöcher, schließlich muss
der Sound des Sternmotors auch auf direktem Wege Ihr Ohr erreichen können.
Die Kettenabdeckungen an beiden Seiten des Oberbaus werden nun vorbildgetreu
von jeweils zehn Diagonalstreben gestützt, was aber im Modell nur
der Optik und nicht der Statik dient. Einer Nachtfahrt steht auch nichts
mehr im Wege, denn die neuen Scheinwerfer und Rück-lichter werden
von insgesamt fünf Mikrolämpchen erhellt, wobei sich die Beleuchtung
über die Fernsteuerung ein- und ausschalten lässt.
360 Grad in 18 Sekunden
Unter dem Wannendach, zwischen Turmöffnung und Fahrerluke, bringt
das wohlbekannte Schwenkwerk den Turm in Drehung. Im Gegensatz zu Pershing
und Tiger wird hier der innenverzahnte Drehkranz von den drei Führungs-radscheiben
exakt zentriert. Tritt das Schwenkwerk in Aktion, reagiert der Turm
unmittelbar mit einer Drehbe-wegung. Beim Tiger ist an dieser Stelle
zu viel Spiel vorhanden, sein Turm rückt vor Beginn einer Drehbewe-gung
stets ein klein wenig zur Seite. Obwohl der Sherman auch im Modell nicht
gerade riesig ist, bringt seine hohe Silhouette viel Innenraum mit sich,
sehr zur Freude des Modellbauers. Das unvermeidbare Kabelwirrwarr kann
im Sherman ohne großen Aufwand vom Schwenkwerk und vom Drehkranz
ferngehalten werden, so dass die Rastkupplung des Schwenkwerks nur bei
externen Störfällen beansprucht wird. Entsprechend willig
folgt der Turm den Steuerimpulsen. Nur sollten Sie bei aller Begeisterung
nicht vergessen, nach einer 360-Grad-Drehung stets in entgegengesetzter
Richtung zurück zu schwenken, die Kabelstränge, die in den
Turm münden, werden es Ihnen auf Dauer danken.
Up and down
Das Trägerblech, das Zahnkranz und Turmboden mitein-ander verbindet,
nimmt auch das Höhenrichtwerk auf, das für die Elevation des
Geschützes sorgt. Diese Mechanik besitzt wie das Schwenkwerk eine
Rastkupplung, die als Drehmomentbegrenzung (Servosaver) wirkt. Im Höhenrichtwerk
wird sie allerdings als mechanische Endabschaltung missbraucht. Ist
das Soundmodul aktiviert, überhören sie leicht das Rasseln
der gegen den Anschlag laufenden Höhenrichtmechanik. Über
kurz oder lang stellt die Rastkupplung ihren Kraftschluss ein. Mit zwei
Mikroschaltern und zwei Dioden (zur Überbrückung der Ausschaltpositionen
bei wechselnder Polarität) lässt sich leicht eine elektrische
Endabschaltung realisieren. Fahren Sie ohne Sound, nervt das Höhenrichtwerk
mit spiel-zeuggleichem Gerassel. Etwas dämpfen lässt sich
die Rasselbande, wenn die Achsen und die Abstandshülsen mit etwas
Pattex mit dem Gehäuse verbunden und so gleichsam am Tanzen gehindert
werden. Sekundenkleber sollte hier außen vor bleiben, damit die
Zahnräder nicht ungewollt mit den Achsen verblockt werden.
Fehlanzeige
In ihrer Full-Option-Version besitzen alle anderen Tamiya-RC-Panzer
des gleichen Maßstabs einen motorisch generierten Rohrrücklauf,
unser Sherman muss hier leider passen. Hatte das große Vorbild
vielleicht auch keinen? Das wäre bei einer 10,5-Zentimeter-Haubitze,
dazu noch ohne Mündungsbremse, ein höchst ungesundes
Unterfangen gewesen. Es gab zwar Versuche, die britische 17-Pfund-Kanone
ohne Rückstoßdämpfung in den Sherman einzubauen, letztendlich
kam sie im Sherman-Firefly dann doch mit Rückstossdämpfung
zum Einbau. Dafür wanderte dessen Funkgerät in einen Kasten
außerhalb des Turms, um dem rücklaufenden Rohr im engen Turm
Platz zu machen. Dass Tamiya auf diese Funktion verzichtet hat, liegt
wohl an den Einbauver-hältnissen im Turm. Weder die Rückzugsmechanik
des Tigers noch die des Pershings hätten ohne aufwändige Änderungen
übernommen werden können, deshalb sprach hier der Rotstift
sicher das letzte Wort. Ich habe jedenfalls den Anschlag im Rohrfutter
der Blende aufgebohrt und aus Polystyrolstreifen einen leichtgängigen
Schlitten nebst Führung konstruiert und innen mit der Blende verklebt.
Dieser Schlitten trägt ein Kunststoffrohr, auf welches das eigentliche
Geschützrohr von außen aufgeschoben wird. Das tragende Kunststoffrohr
ist so bemessen, dass die Blitzeinheit gerade noch durchgeschoben werden
kann. Derzeit wartet aber der arretierte Schlitten noch auf die Self-Made-Rückzugsmechanik.
Weitere Überlegungen erfordert auch die zeitgleiche Auslösung
der Rückzug-smechanik, denn die Multifunktionseinheit MF 02 besitzt
hierfür keinen Ausgang.
Kanal fatal
Tamiya weist diesen Full-Option Kit für den Betrieb
mit einer Zwei-Kanal-Fernsteuerungsanlage aus, wahlweise kann auch eine
Vier-Kanal-Anlage eingesetzt werden. Es ist wohl möglich, all die
vorhandenen Funktionen mittels zweier Kanäle anzusteuern, doch
geht dies nur nach dem Schema entweder oder. Wer
möchte nicht den Turm in voller Fahrt schwenken können? Die
Zwei-Kanal-Anlage schließt eine solche Gleichzeitigkeit aus. Überdies
müssen Sie für jede weitere Funktion einen der beiden Trimmhebel
verschieben, damit sie mit den beiden Steuerknüppeln in eine andere
Befehlsebene gelangen. Diese Fummelei ist auf Dauer kontraproduktiv.
Kurzum, Fernsteuerungen sind heutzutage preiswert zu haben, leisten
Sie sich eine Vier-Kanal-Anlage und sichern Sie sich auf diese Weise
dauerhaftes Fahr- und Betriebsvergnügen. Ärgerlich ist nur,
dass die Betriebsanleitung ausführlich auf die Zwei-Kanal-Abstimmung
eingeht, für die Vier-Kanal-Auslegung aber auf die Web-Seite unter
www.tamiya.com verweist.
Einstellungssache
Steht bei Ihnen schon ein Pershing im Regal, greifen Sie auf dessen
Betriebsanleitung zurück. Wenn nicht, beginnen Sie die Einstellung
der DMD-Steuereinheit in dem von der Anleitung beschriebenen Modus.
Einstellknopf (Set) drücken und nun aber alle vier Kanäle
nacheinander von oben nach unten beziehungsweise von rechts nach links
mit dem Steuerknüppel durchfahren und danach wieder den Einstellknopf
drücken. Beginnen Sie mit dem Kanal, mit dem Sie Gas (Throttel)
geben wollen, danach ist der Kanal an der Reihe, mit dem Sie lenken
wollen (Rudder), dann jener, der für die Elevation des Geschützrohres
zuständig sein soll (M.-Gun) und zuletzt der, mit dem Sie die Turmdrehung
(Turret) ansteuern wollen.
Dabei ist es egal, welchen Kanal Sie am Sender mit welcher Funktion
belegen, wichtig ist nur, dass Sie beim Einstellen der Steuerelektronik
die beschriebene Reihenfolge einhalten. Selbstverständlich sind
am Empfänger die Anschlüsse der betreffenden Funktionen (Rudder/Throttel/Gun/Turret)
auch an den Ausgängen der jeweils ausgewählten Kanälen
einzustecken. Über den Trimmhebel des Kanals, der die Elevation
steuert, gelangen sie in die Befehlsebene, in der Sie mit dem Knüppel
die Schusssimulation beziehungsweise das Maschinengewehr auslösen
können, über den Trimmhebel des Kanals, der die Turmdrehung
steuert, können Sie mit dem Knüppel die Beleuchtung ein- und
ausschalten.
ErFAHRungen
Das alte Schlachtross muss sich vor seinen jüngeren Brüdern
aus gleichem Hause nicht verstecken, auch wenn es formentechnisch doch
schon in die Jahre gekommen ist. Der rege Modellbauer, der mehr als
nur Modellkäufer ist, fühlt sich herausgefordert, hier und
da noch etwas für die Optik zu tun. Unterstützt wird er dabei
von den reichhaltigen Decals, die eine französische und drei amerikanische
Zuordnungen ermöglichen und den passenden Acces-soires wie Kanister,
Munitionskästen, Helme und Verpflegungskisten. Wie weit Sie noch
fehlende Details ergänzen möchten, liegt in Ihrer Entscheidung,
wobei für ein Funktionsmodell aus praktischen Gründen ein
gesundes Maß nicht überschritten werden sollte.
Das Fahrwerk überzeugt durch die aufwändige Lagerung der Laufräder
und Stützrollen. Die Federungsmechanik ist sehr schön nachempfunden,
nur sind die einzubauenden Spiralfedern etwas zu hart. Die beiden Motor-Getriebe-Einheiten
machen einen robusten Eindruck, der durch die Verwendung von Kugellagern
und Metallzahnrädern an hoch beanspruchten Stellen noch verstärkt
wird. Der Antrieb ist gut abgestimmt, weder mangelt es ihm an Kraft,
noch legt er eine unmaßstäbliche Höchstgeschwindigkeit
vor. Der Sherman lässt sich mit der DMD Steuereinheit T 05 feinfühlig
bewegen und steuern. Er hängt willig am Gas, ohne dabei zu nervös
auf Steuerausschläge zu reagieren. Das kompakte Modell nimmt Kurven
mit den unterschied-lichsten Krümmungsradien mit Bravour, wie es
sein Vorbild nicht zu träumen gewagt hätte. Auch wenn die
neuen Kunststoffketten nicht mehr die Musik der alten Metallketten
hervorbringen, ist ihre Haftung vor allem auf festem Untergrund wesentlich
besser.
Dafür kommt die Musik nun aus dem Lautsprecher. Der
Startvorgang des schmatzenden und sich dabei verschluckenden Sternmotors
ist ein Ohrenschmaus, ebenso die Geräuschkulisse, wenn der Motor
wieder abgestellt wird. Das Motorengeräusch ändert sich in
Fahrt entsprechend der Drehzahl der Fahrmotoren und schwillt mit zunehmendem
Gas stufenweise an, jedoch erreicht es nicht die Qualität
des Fahrgeräusches des Pershings. Das Turmschwenkwerk funktioniert
tadellos, das Höhen-richtwerk zur Rohrelevation versieht seinen
Dienst mit Rasselgeräuschen, die aber (bei entsprechender Laut-stärkeeinstellung)
vom Soundmodul mit originalen Funktionsgeräuschen überdeckt
werden. Ordentlich ist der Bums der Haubitze und der Mündungsblitz
ist dank der Auskleidung der Mündung des Rohres mit Spiegelfolie
überraschend gut zu sehen, obwohl keine Mündungs-bremse
vorhanden ist, die das Blitzlicht hilfreich streuen könnte. Damit
bei abendlicher Marschfahrt nicht ein schwerhöriger und friedliebender
Zeitgenosse sozusagen aus Versehen den Sherman mit forschem Schritte
zu Schrott verwandelt, zeigt letzterer mit strahlenden Scheinwerfern
und funkelnden Rücklichtern deutlich Flagge. Rundum ist der Tamiya-Sherman
in seiner dritten Auflage als Full-Option-Modell ein handfestes, kompaktes
und ausgereiftes Kettenfahrzeug, das seinen Brüdern aus gleichem
Hause weit weniger nachsteht, als es die Differenz der Gestehungspreise
vermuten ließe.
Wunschträume
Ich wäre sicher nicht der Einzige, der sich noch über eine
vierte Auflage des Shermans freuen würde: Technik wie gehabt, neue
Wannenoberschale mit geändertem Heckbereich, Turm 2 mit 76-Millimeter-Kanone
(da passte die Rückzugsmechanik wieder hinein) und fertig wäre
der M4A3(76)W HVSS. Da dieser Typ von einem Ford-V8-Motor angetrieben
wurde, könnte diesem Modell auch gleich der vorzügliche Sound-Generator
des Pershings implantiert werden.
Konrad
Osterrieter

Cletrac-Lenkgetriebe
Der Name verrät schon die Herkunft: ClevelandTractor Company. Dieses
Lenkgetriebe gehört zur Familie der Doppel-Ausgleichlenkgetriebe.
Bei diesen Getrieben wird auf die Festsetzung der Innenkette bewusst
verzichtet, das heißt, das Fahrzeug kann nicht auf einer (stehenden)
Kette wenden. Andererseits ist die indirekt heruntergebremste Kette
nicht kraftlos, sondern läuft gegenüber der kurvenäußeren
nur mit halber Geschwindigkeit um. Faktisch reduziert sich die Umlaufgeschwindigkeit
der einen Kette um ein Drittel, während sie bei der anderen um
ein Drittel zunimmt. Beim Cletrac-Getriebe treibt ein Kegelrad das große
Tellerrad an, das mit dem Ausgleich-gehäuse verbunden ist. Statt
Ausgleichkegel-räder sind im Gehäuse exzentrisch zwei miteinander
im Eingriff stehende Stirnradwalzenräder eingebaut, auf deren freien,
aus dem Gehäuse herausragenden Enden jeweils ein Stirnrad befestigt
ist. Diese treiben Ritzel auf den Hohlwellen an, die auch die Lenkbremsentrommeln
tragen.

3-D-Skizze des Cletrac-Lenkgetriebes
Innerhalb des
Ausgleichgehäuses greifen die Stirnradwalzenräder in die Abtriebsstirnräder
ein, die auf den Wellen sitzen, die durch die Hohlwellen der Lenkbremsentrommeln
zum jeweiligen Kettenrad bzw. Vorgelege führen. Bei Geradeausfahrt
werden die Abtriebswellen durch das umlaufende Ausgleichgehäuse
über die stillstehenden Stirn- und Walzenräder angetrieben.
Bei einem Lenkeinschlag wird eine Bremstrommel verzögert beziehungsweise
festgesetzt. Das außerhalb des Ausgleichgehäuses liegende
Ausgleichstirnrad wälzt sich auf dem auf der Bremshohl-welle sitzenden
Ritzel ab und setzt das interne Walzenrad in Drehung. Hierdurch wird
die abgebremste Seite langsamer, die nicht abgebremste Seite schneller
angetrieben. Bei vollem Lenkeinschlag, also bei festgesetzter Lenkbremse,
ist die Drehzahl des inneren Kettenrades um ein Drittel kleiner, die
des äußeren um ein Drittel größer als bei Geradeausfahrt.

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Zweckmäßig und stabil ist die Wanne aus
gekantetem Alublech

Bunte Mischung, Metallwarenabteilung
des Sherman

Gemeinsam sind wir stark! Motor-Getriebe-Kombination
im Doppelpack

Alte Bekannte! Turmschwenkwerk (links)
und Höhenrichtwerk (rechts) bringen
zusätzlich Bewegung ins Spiel

Gut profiliert zeigt sich die neue
vormontierte Kette mit den
Kunststoffkettengliedern. Endverbinder
und Bolzen sind weiterhin aus Metall

Das Resonanzgehäuse des Lautsprechers
nutzt mit seiner angepassten Formgebung
den Raum im Heck bestens aus

Die stabilen Fahrwerksträger aus
Metallguss sind mit der Wanne
vierfach verschraubt

Einblick in die Lagerung der Laufräder.
Statt Sinterbuchsen können optional
Kugellager eingebaut werden

Kegelstumpffederattrappen mit
funktionalem Innenleben. Leider
sind die Spiralfedern etwas zu stramm

Its your turn! Aus der Oberschale der
Wanne wurden Fahrer- und Funkerluke
herausgesägt und die Durchbrüche mit
Brillen hinterlegt. Diese Einsätze
besitzen etwas Untermaß und bieten
so den Luken eine Randauflage

Schwenkwerk vor Ort. Die großen
Führungsscheiben zentrieren den
Zahnkranz nahezu spielfrei

Der mittlere Scharniernocken wurde
jeweils neu angefertigt. Die
Schwenkachsen müssen etwas nach
vorn geneigt sein

Rasselbande! Dem Höhenrichtwerk der
Kanone sollte eine elektrische
Endabschaltung spendiert werden, damit
dessen Rastkupplung von dieser
Aufgabe befreit wird

Fahrwerk in Aktion! Baut man die
beiliegenden zu strammen Spiralfedern
ein, verhält sich die Aufhängung ähnlich
einer ungefederten Pendellagerung

Weniger ist oft mehr! Mit nur einer
eingebauten Spiralfeder federt die
Aufhängung des belasteten
Laufräderpaares nun auch ein, ohne
dabei gleich den ganzen
Panzer anzuheben

So können in Eigenarbeit die fehlenden
Schleppösen am Bug nachgerüstet und
solide verankert werden

Kräftiges Tandem im Bug. Jede Kette
wird von einer separaten Motor-
Getriebe-Kombination angetrieben

Auch am Heck tut Gleiches Not! Mit der
Trennscheibe zwei Schlitze einbringen,
Ösenschäfte einstecken, von innen mit
Sekundenkleber beträufeln und mit Alu-
Schleifspänen bestreuen, fertig!

Aus dünnen Polystyrolplatten sind die
Winkelspiegelaufnahmen entstanden, für
die Schutzbügel über den Sehklappen
waren Büroklammern und Lötzinn gefragt

Der Anschlag im Mantelrohr der Blende
wurde ausgebohrt, eine Führung aus
Polystyrol angefertigt und innen hinter die
Blende geklebt. Die Führung nimmt den
Schlitten auf, der das Futterrohr trägt

So bleibt die Option Rohrrücklauf weiter
möglich, auch wenn die
Self-Made-Rückzugmechanik
noch auf sich warten lässt

Nicht nach Plan! Statt Klebstoff
verbinden M3-Senkopfschrauben
den Turm mit seiner Basis. So
bleibt das Turminnere für spätere
Ausbautenbesser zugänglich

Da der Kommandant des Sherman
gerade in der Kosmetik weilt,
überprüft hier der Kollege vom Pershing
die Leichtgängigkeit der Lukenscharniere

Alles an Bord! Die DMD-Steuereinheit T-05
und die Multifunktionseinheit MF-02 sind
übereinander gestapelt, daneben ruht tief
in der Wanne der Empfänger. Entgegen der
Bauanleitung nimmt hier der Akku quer vor
Lautsprechereinheit Platz. Damit kann ein
wenig mehr Gewicht nach hinten
verlagert und so die Balance um die
Querachse verbessert werden

Nachrüstung: Ein Schalter dient zum
Ein-und Ausschalten (anstelle des Schiebeschalters), der andere trennt
den
Akku von der Anlage und schaltet auf die Ladebuchse um. Zum Laden
kann nun
der Akku an Bord bleiben, auch muss
er nicht mehr bei längeren
Betriebspausen
zur Sicherheit herausgenommen werden

Aus diesem Blickwinkel offenbart
sich der großzügige Innenraum

Eis am Stiel, bringt hier viel: Ein Brett,
das so oftmals die Ladekapazität außenbords vergrößerte.
Gemach, gemach, die Ketten bekommen noch Farbe und werden auch
noch entsprechend gealtert

Auch am Heck macht sich die Außenlast r
recht gut. Auf dem Vormarsch glichen
viele Ami-Tanks fahrenden
Gemischtwarenläden

Größenvergleich, oder am Morgen davor:
Wir beide gegen den Rest der Welt!

Mit wenig Aufwand lässt sich auch die Luke
des Kommandanten beweglich machen.
Licht funktioniert, alles o.k. und ab zur ...

... großen Siegesparade, auf der sich
schon der Nachfolger in Szene setzt

Mündungsbremse
Die Mündungsbremse ist eine Vorrichtung an der Mündung eines
Geschützrohres, die eine Verringerung der Rück-stoßkräfte
bewirkt. Es gibt sie in unterschiedlichsten Ausführungen, zylindrisch
oder kugelförmig, in eine oder mehrere Kammern aufgeteilt. Die
Mündungsbremse ermöglicht selbst bei großkalibrigen
Waffen die Verwen-dung einer relativ kleinen Rohrrücklaufeinrichtung.
Das Arbeitsprinzip der Mündungsbremse besteht in der Veränderung
der Richtung und der Bewegungsgeschwin- digkeit eines Teils der Pulvergase,
die beim Schuss hinter der Granate aus dem Rohrkanal ausströmen
und auf die Prallflächen der Mündungsbremse treffen. Die
dabei entstehende Kraft wirkt dem Rücklauf der Waffe entgegen
(vgl. Schubumkehr an Düsentriebwerken). Bis zu 65 Prozent der
Rückstoßenergie kann eine Mündungsbremse auf diese
Weise absorbieren.
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